Schwierig ist gut. Die Aufgabe meines Lebens.
Seit ziemlich genau einem Jahr habe ich schlaflose Nächte. Auf einmal war ich Zeremonienmeister. Ohne lang nachzudenken hatte ich nämlich JA gesagt, als mich unsere Freunde Birgit und Oliver fragten, ob ich mir vorstellen könnte ihre Hochzeitszeremonie zu gestalten. Die Beiden wollten zwar nicht kirchlich heiraten, aber trotzdem im Rahmen einer Zeremonie vor Freunden und Familie ihr JA besiegeln. Das Ritual sollte im Schlosspark von Schloss Wetzlas stattfinden. Ein märchenhafter Platz, uralte Hainbuchen, imposante Tulpenbäume, und ein sensibel renoviertes Gebäude aus dem frühen 18. Jhd. Ein würdiger Platz für ein Hochzeitsfest. Das Vertrauen der Brautleute ging soweit, dass sie sich überraschen lassen wollten und mir völlig freie Hand liessen.
Projekte mit derart langen Vorlaufzeiten verleiten immens dazu hinaus geschoben zu werden. Gegen Halbzeit begann ich aber langsam unruhig zu werden. Keine Idee weit und breit. Und da wurde mir klar, dass die Aufgabe nur zu lösen ist, wenn ich mich mit der Bedeutung der Ehe wirklich auseinandersetze. Am besten mit der eigenen und am besten mit der eigenen Frau. Also machte ich mich daran mich meiner eigenen Gelöbnisse zu erinnern. Und musste feststellen, dass 13 Jahre Beziehungsalltag, davon 8 Jahre in Elternschaft schleichend Spuren hinterlassen. Während der darauf folgenden überaus intensiven und fruchtbaren Auseinandersetzung über Beziehung lieferte meine Frau das passende Stichwort im richtigen Moment:
Ehe ist eine Verbindung von Lebenswegen
Klingt selbstverständlich, war aber doch die zündende Idee. Ich wollte die beide Brautleute irgendwie verbinden, ohne sie dabei aber zu fesseln. Die Lösung war naheliegend, ich musste einen Raum um das Paar herum schaffen. Einen Kokon. Gross genug um sich darin angenehm bewegen zu können, klein genug um sich darin wirklich nahe zu kommen. Abgeschlossen genug um sich darin loslassen zu können, transparent genug um sich darin nicht abgeschlossen zu fühlen. Und natürlich auf die Essenz reduziert.
Realisiert habe ich diesen Kokon mit einer Konstruktion aus Holzleisten in die LED-Lichtbänder eingeklebt wurden. Alles ist klappbar denn die ganze Installation sollte natürlich in unseren T4-Bully passen. Ausserdem musste das Ganze ja auch in den Schlossräumen funktionieren, falls das Wetter nicht mitspielt. Das Objekt hatte ich sofort vor meinem inneren Auge. Vor allem wenn es in der Nacht im dunklen Schlosspark stehen würde mit seinem leuchtenden Rahmen. Um aus der Rahmenkonstruktion einen Raum zu machen habe ich ihn mit zwei Stoffbahnen umwickelt. Den passenden Stoff zu finden war eine echte Herausforderung. Am Beginn der Zeremonie hatte der Stoff noch eine ander Aufgabe. Die Stoffbahnen würden auf dem Boden liegen und die Lebenswege der Beiden symbolisieren. Der Stoff musste also zuerst aufgerollt und danach, beim Verbinden des Raumes, wieder abgerollt werden. Damit das wirklich ordentlich funktioniert – in der Zeremonie machen das aufgeregte Väter und ebensolche Trauzeuginnen – habe ich eigene Rollen entworfen und sicher 3x umgebaut weils anfangs partout nicht klappen wollte. Ein Aufbautest zerstreute letztlich fast alle Bedenken:
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Letzten Samstag war der grosse Tag. So viel sei gesagt, die beiden sind jetzt ein glückliches Paar (eigentlich waren sie es schon vorher), ich schlafe wieder gut und unsere Ehe hat wieder die Qualität die wir uns gegenseitig versprochen haben. Ich bin sowas von dankbar, dass die Beiden mir das zugemutet und zugetraut haben. Alles Gute für Euch!
Bilder werden nachgereicht.
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