Nine Inch Nails
Anfang der 90er war MONDO 2000 das einzige Magazin das sich ernsthaft mit Virtual Reality und Cyber Media beschäftigte. In einer Anzeige dort sah ich das Cover von „Broken“ von Nine Inch Nails. Die Cd war in Ãsterreich natürlich nicht erhätlich, auf Umwegen bekam ich sie dann doch. Ich habe sie sofort getaped und das erste Mal während des Besuch einer Rembrandt Ausstellung gehört. War das ein Kontrast! Am meisten beindruckte mich der brachiale, aggressive und trotzdem harmonische Sound, der nichts mit dem üblichen Headgebange der dumpfen Heavy Metal Bands zu tun hatte. Trotzdem waren die lyrischen Songs, bis auf wenige Ausnahmen eher mühsam zu hören. Nach einer ganzen Cd bin ich mit meinen Nerven ziemlich am Ende, aber ich bin ja auch schon über meiner Lebensmitte. Was mich allerdings bis heute fesselt ist die Harmonie im Chaos, und umgekehrt.
Kurz darauf spielten NIN das erste Konzert in Wien. So viele bleichgesichtig, adoleszente, schwarze Ledermäntel hab ich seither nie wieder auf einem Fleck gesehen. Die Gerüchteküche um das Mastermind Trent Reznor brodelte, denn angeblich war sein Studio in der Villa des Massenmörders Charles Manson. Nebenbei war auch das visuelle Artwork revolutionär. Ein, bis heute, stimmiges Logo und eine Bildsprache, die Sehgewohnheiten in Frage stellte. Allerdings wirkten die Videos, die mittlerweile auch bei MTV liefen, eher nüchtern und holzig. Vielleicht aber wollte sich der Querkopf Reznor schon damals nicht unter das Diktat der Musikindustrie stellen.
Dieser Tage erscheint das neue Album von NIN und wieder verfolgt er eine revolutionäre Idee. Er veöffentlich den Track âThe Hand That Feedsâ? als Multitrack-Garageband-File. Das bedeutet, dass Apple-Nutzern alle Spuren der Studioaufnahmen vorliegen und diese somit für Remixe nutzbar sind. Herr Reznor tut als intelligenter Mensch genau das, was man als erfolgreicher Künstler dieser Tage tun sollte. Er schüttelt freundlich und kreativ the hand that feeds, statt sie zu beiÃen und stellt sich wieder einmal gegen die Musikindustrie, die noch immer nicht bemerkt hat, dass es sie eigentlich nicht mehr gibt. Dort ist man vielmehr mit Themen wie Urheberrecht und digitalem Kopierschutz beschäftigt und wird sich bald selbst begraben.
Und, dass ich das Album kaufe und nicht downloade ist wohl Ehrensache. Und hier das Video zu The Hand That Feeds (Quicktime, 35 mb)
Trackback URL: https://purity.holzer.work/nine-inch-nails/trackback/
Schreibe einen Kommentar