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Digitale Spaltung

Während man mit engagierten Projekten versucht die Kluft zwischen Industrienationen und der vierten Welt zu verkleineren, entscheiden sich immer noch viele Entscheider freiwillig nicht am Geschehen teilzunehmen. Affinität zum Internet ist aber weniger eine Frage des Alters, eher eine des Wollens. Politiker und viele Manager bewegen sich in einer anderen Welt. Aussagen wie „Ich brauch kein Internet, die lasse mir Informationen vorlegen“ hab ich auf Vorstandebene oft genug gehört. Das beliebteste Argument: Keine Zeit.

Selbst erlebtes Beispiel eines Kommunikationsprozesses aus dem Alltag: Unser Kunde, Geschäftsführer eine international tätigen Eventagentur, bekommt ein Mail mit Informationen über den aktuellen Designprozess. Seine Sekretärin, für die Korrespondenz verantwortlich, druckt das Mail, legt es ihm vor. Mit seinen handschriftlichen Anmerkungen darauf, wird es dann wieder eingescannt und als Mail an uns weitergeleitet. Bei der Un-Effektivität darf man sich über zuwenig Zeit nicht wundern, der Alltag scheint manchen Entscheidern ferner denn jeh.

Keine andere Technologie hat die Gesellschft so rasant verändert wie der Computer und das Internet. Für langes Warten bleibt in der heutigen Zeit einfach keine Zeit. Das Zauberwort heisst Selektionsdruck. Der war verantwortlich dafür dass sich die Sprache, der erste Informationsaustausch zwischen Individuen, entwickelte. Der Neandertaler starb aus, obwohl er körperlich zäh und geistig hoch entwickelt war. Nach aktuellen Kenntnissen der Wissenschaft unterlag den Anforderungen seiner Zeit, weil er sich an die territorialen Bedingenen nicht schnell genug anpassen konnte. Der Cro-Magnon Mensch hingegen entdeckte vor etwa 25.000 Jahren dass das Teilen von Wissen das Leben leichter machte. Durch diesen evolutionären Schritt entwickelte sich das erste Mal so etwas wie Kultur. Die Alten bekamen im gesellschftlichen Gefüge eine wichtige Rolle, weil sie Hüter des Wissens waren. Das Lebensalter stieg deutlich an. Bis zum nächsten evolutionären Schritt, der Entwicklung der Schrift waren es dann gute 19.000 Jahre. Viel Zeit um das neue Gut der Sprache in den Köpfen der Menschen zu verankern und zu etwas selbstverständlichen zu machen.

So viel Zeit bleibt uns heute nicht mehr bis zum nächsten, errechneten evolutionären Milestone.

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